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Leseprobe
Am 2. August 1990, dem Tag, an dem irakische Truppen in das Nachbarland Kuwait einmarschierten und dadurch den zweiten Golfkrieg auslösten, erreichten wir die Grenze zu Ungarn bei Wulkaprodersdorf im Burgenland. Die Erlebnisse beim Grenzübertritt glichen weitgehend den bisherigen. Zuerst grosses Staunen, dann viele Fragen, ungläubige Blicke, Kontrolle all unserer Papiere und dann das lange Warten. Nach der positiven Begutachtung durch den Grenztierarzt und vielen weiteren Stempeln passierten wir die Grenze und fanden ganz in der Nähe ein Reitzentrum in Sopron, das uns Unterschlupf gewährte.
Wir beschlossen, eine zweitägige Pause einzulegen, und Fabian fand einen neuen Freund in Antal, dem Sohn der Besitzerfamilie. Gemeinsam mit Dietmar genossen wir zwei unbeschwerte Sommertage und nutzten endlich die mitgereisten Spiele: ein Set Patience-Karten, ein Backgammon auf Papier mit Schutzfolie überzogen, auf der Rückseite schwarz-weisse Schachfelder. Spielsteine fanden wir auf dem Kiesweg.
Im dazugehörigen Gasthof liessen wir uns verwöhnen und kosteten zum ersten Mal die ungarische Küche. Gulaschsuppe mit Fleisch, Zwiebeln, Kartoffeln und Paprika, von allem viel, scharf und kräftig gewürzt, aber auch verschiedene bekannte und unbekannte Gemüse, die wunderbar schmeckten. Wir schlemmten gezuckerte Nockerl, Quarkknödel, Strudel und leckere Palatschinken.
Natürlich mussten wir auch den hiesigen Wein probieren. Und dank Unicum (ungarischer Magenbitter) und Palinka (einheimischer Obstbrand) lernten wir das Wort «egészségére», den ungarischen Ausdruck für «prost». Wir waren bereit für Ungarn.
Früh am übernächsten Morgen, wir wollten gerade die Pferde einholen, und dann langsam aufbrechen, war die mit einem Elektrozaun gesicherte Koppel leer. Unsere Pferde samt Lena waren in der Nacht getürmt und verschwunden. Was für eine Aufregung, befanden wir uns doch im direkten Grenzgebiet. Wir informierten die Grenzschutzpolizei und die umliegenden Höfe. Als wir nach Stunden nichts von unseren AusreisserInnen gehört hatten, bot uns das Besitzerpaar an, uns ihre Pferde zur Verfügung zu stellen und sich gemeinsam mit uns auf die Suche zu machen. Jürg, Veronika und ich schwangen uns also auf die fremden Pferderücken und durchstreiften die Gegend. Unterwegs trafen wir auf ungarische Grenzsoldaten, die gemütlich in einer Wiese lagerten, einen Grashalm im Mundwinkel. Auch die Frage nach einer allfälligen Begegnung mit den Tieren brachte sie nicht aus der Ruhe. Sie hatten nichts gesehen und nichts gehört.
Tatsächlich fanden wir unsere kleine Herde eine ganze Weile später, friedlich grasend auf einer Waldlichtung, glücklicherweise auf ungarischem Boden. Mit unseren Ausreissern an den Stricken kehrten wir in gemächlichem Tempo zurück ins Reitzentrum. Die ganze Ausbruchsgeschichte bescherte uns einen weiteren Ruhetag an diesem schönen Ort.












































































































































































